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Marktausblick

Wahlen in Frankreich: Linkes Bündnis überraschend stärkste Partei

CIO Kommentar, Montag, 8. Juli 2024

Dr. Sandro Merino, Chief Investment Officer

Wahlsieger: «Nouveau Front Populaire»

Die Stichwahl für das französische Parlament fand am Sonntag, 7. Juli statt. Eine noch bei Beginn der Wahlen als möglich erachtete absolute Mehrheit für die von Marine Le Pen angeführte rechtsextreme Partei «Rassembement National» ist nicht eingetreten.
Das rechte Lager hat überraschend auch das Ziel, die stärkste Partei im Parlament zu werden, deutlich verpasst.

Wahlsieger ist das linke Parteienbündnis «Nouveau Front Populaire» das 180 der 577 Sitze gewinnen konnte. Mit 163 Sitzen ist das Parteienbündnis «Ensemble» des Präsidenten Emmanuel Macron sogar zweitstärkste Kraft geworden. Das Ergebnis des «Rassemblement National» ist mit 143 Sitzen weit unter den Wahlprognosen geblieben. Auch die rechtskonservativen Republikaner können mit 66 erreichten Sitzen dem Rassemblement nicht als Steigbügel zur Macht dienen.

Zusammenschluss Mitte-Links Parteien verhindern Parlamentsmehrheit der Rechtspartei

Die Links und Mitte Parteien hatten sich für die Stichwahl auf die Unterstützung gemeinsam getragener Kandidaten geeinigt. Damit traten in sehr vielen Wahlkreisen gegen die Kandidaten des Rassemblement National nicht mehrere Kandidaten an, sondern oft bloss nur einer. Mit diesem Schulterschluss konnten die Mitte-Links Parteien eine Parlamentsmehrheit der Rechtspartei offenbar verhindern.

Nachdem Ende Juni das Szenario einer rechts-nationalen Mehrheit im französischen Parlament Schockwellen an den europäischen Börsen ausgelöst hatte, sind Befürchtungen einer Abkoppelung Frankreichs aus dem europäischen Strommarkt und einer Belastung der engen Kooperation mit Deutschland (z.B. bei Rüstungs-projekten und in der Ausrichtung der EU) vorerst vom Tisch.

Nun stellt sich für Frankreich die Frage der Regierungsbildung und des Umganges mit der Abwesenheit einer klaren Mehrheit im Parlament. Die Wahl des Premier Ministers der wohl aus dem Lager der Linken kommen müsste, ist der nächste wichtige Schritt nach den Wahlen. Die Finanzmärkte haben am Montagmorgen freundlich auf das durchaus überraschende Wahlergebnis in Frankreich reagiert.

Wahlen im Vereinigten Königreich: Historischer Niederlage der Konservativen

Im Vereinigten Königreich waren am 4. Juli die 650 Sitze des Unterhauses zu vergeben. Diese sind jeweils lokalen Wahlkreisen zugeordnet. Bei Redaktionsschluss hat die Labour Partei bereits über 410 Sitze erreicht. Damit ist der bisherige Labour Oppositionsführer Keir Starmer als neuer Premierminister gesetzt. Er folgt dem konservativen Rishi Sunak, der mit seiner Tory Partei eine historisch einzigartige Wahlschlappe erlitten hat. In über 100 Jahren Wahlgeschichte hat eine Regierungspartei noch nie so viele Sitze (249) bei einer Unterhauswahl verloren. Sogar einige amtierende Minister der Konservativen haben in Heim-Wahlkreisen ihren Sitz im Unterhaus verloren – was eine besondere Demütigung bedeutet. Sogar die für sehr kurze Zeit glücklos als Premierministerin amtierende Liz Truss hat ihren Sitz im Unterhaus verloren.

Liz Truss hatte mit einem inkompetenten und völlig missratenen Haushaltsplan ihr Land in eine extrem kostspielige Finanzkrise gestürzt. Ebenfalls einen herben Rückschlag erleidet die schottische Unabhängigkeitsbewegung mit der beinahe Auslöschung ihrer Vertretung im Unterhaus.

Die Labour Partei erbt eine Vielzahl struktureller Probleme, die nicht zuletzt mit dem Austritt aus der EU in Verbindung stehen. Grosse Unzufriedenheit herrscht mit dem Gesundheitssystem «NHS» und die umstrittene Auslagerung des Asylprozesses nach Ruanda hat, trotz enormer Kosten, bisher nichts zur Reduktion des Stroms illegaler Migration beigetragen. Ein erneuter EU-Beitritt ist gemäss Keir Starmer derzeit nicht geplant, sehr wohl besteht das Ziel, die seit dem Brexit rückläufigen Handelsbeziehungen mit der EU neu zu beleben. Die neu regierende Labour Partei steht vor einem Scherbenhaufen. Gelingt es Keir Starmer nicht rasch Verbesserungen zu erwirken, dann könnte die enorme latente Unzufriedenheit sehr bald auch die neue Regierung ins Visier nehmen.

Zinssenkungen der EZB und SNB im Juni: Ausblick

Im Juni haben sowohl die Europäischen Zentralbank EZB als auch die Schweizerische Nationalbank SNB den Leitzins um jeweils 0,25% gesenkt. Die Inflation in der Schweiz für den Monat Juni liegt mit 1,3% unter dem Vormonat. Dies bestätigt die Erwartung der SNB, dass die Inflation im Jahresverlauf weiter fallen sollte. Der CHF-Leitzins dürfte bis Ende 2024 auf 1% oder gar 0,75% fallen. Letzteres wäre wahrscheinlicher, wenn die Inflation deutlicher zurückgehen sollte als erwartet oder falls politische Unsicherheiten den Schweizer Franken besonders stark ansteigen lassen würden.

Positionierung unserer Anlagestrategie

In unserer Anlagestrategie haben wir Ende Juni die seit Anfang November gehaltene Übergewichtung von Aktien auf neutral reduziert. Starke Kursgewinne und die damit gestiegenen Bewertungen, die Vielzahl neuer politischer Risiken, insbesondere die mögliche Aufgabe der Kandidatur von Joe Biden und die weitgehend eingepreisten Szenarien für Zinssenkungen waren ausschlaggebend für unseren Entscheid. Damit signalisieren wir, dass wir bis Ende des Jahres für Aktien nur noch moderate Kursgewinne im tiefen einstelligen Bereich erwarten.

Heutige Marktentwicklung

Der Schweizer SMI-Index ist mit einem leichten Gewinn von 0,2% in die neue Handelswoche gestartet. Der deutsche Aktienindex (DAX) gewinnt rund 0,3%. Der französische Aktienmarkt ist ebenfalls rund 0,2% im Plus.
Für die US-Aktienmärkte signalisieren die Futures am heutigen Montag einen wenig veränderten Handelsbeginn.

Der EURCHF Wechselkurs steht heute Morgen wenig verändert bei der Marke von 0,97 CHF je Euro (Stand ca. 11:15 Uhr, 08. Juli 2024, Basel Zeit).

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